Klaus ist ein Mann des direkten Wortes, eine Eigenschaft, die im Bahnhofsviertel Währung ist. „Ich quatsche die Leute an“, sagt er. Berührungsängste kennt er nicht. Sein Wohnzimmer ist nicht nur in seiner Wohnung, sondern oft beim Griechen „Arkadi“ gegenüber. Für ihn war das Viertel immer schon ein Ort der Ankunft und des Übergangs: früher Gastarbeiter aus der Türkei und Portugal, heute Menschen aus Syrien oder dem Irak. Klaus Wosmann wertet das nicht, er lebt damit.
Wosmann ist ein Chronist, ohne Pathos, aber mit viel Herz. In seinen Erzählungen kommen nicht nur ehemalige Hotels, Spielwarengeschäfte und Postämter vor, sondern auch Mandeln auf der Wiesn, Nachbarschaftskonflikte, türkische Familienbetriebe und ein bosnischer Grill, bei dem es die „unvergleichlichsten Čevapčiči“ gibt. Ein Mensch mit offenem Blick, der sehr genau weiß, woher er kommt und wohin es ihn gezogen hat: aus dem Ruhrgebiet, im Auftrag der Post als Fernmelder, anlässlich der Olympischen Spiele nach München, in ein Viertel, das damals schon „mehr war als der Ruf, den es hatte“.
Heute beobachtet er die Entwicklungen mit einer Mischung aus Gelassenheit und Engagement. Er verschweigt nicht, dass sich die Stimmung verändert hat. Die „gefühlte Sicherheit“ sei ein Thema, die Drogenszene und der Lärm der Baustellen zehren an den Nerven. Aber er sagt auch: „Man muss sich integrieren, nicht nur beschweren.“ Und er kennt die Leute. Die Nachbarn, die Händler, die Betreiber der Lokale. Für manche ist er „der Bürgermeister der Landwehrstraße“. Andere wissen einfach: Auf den Klaus kann man zählen.
Sein Lieblingsmoment? Frühmorgens durch die Landwehrstraße gehen, wenn die Sonne die Fassaden streift und die Stadt noch nicht ganz wach ist. „Da nimmt man die Dinge anders wahr“, sagt er. „Da stört noch keiner.“
