Wer das Studio betritt, landet in einer Art Zwischenwelt: ruhig, weitläufig, konzentriert. Früher war dieser Ort Empfangsraum und Küche des Architekten Muck Petzet und ein Treffpunkt für die Münchner Designszene. Heute trifft man hier auf Materialproben, Prototypen, eine kleine „Wunderkammer“ und einen Raum, der einzig Büchern gewidmet ist.
Das Studio verweigert sich jeder Schublade. RelvãoKellermann gestalten Küchensysteme ebenso wie Elektronik, Büromöbel oder Leuchten und sind dabei immer auf der Suche nach der besten Lösung, nicht der einfachsten. Vom großen Raumgefüge bis zur winzigen Griffkante wird jedes Detail durchdacht, bis es selbstverständlich wirkt.
Dass sie ausgerechnet hier arbeiten, ist kein Zufall. Sie schätzen das Unfertige, den Bruch mit dem perfekt polierten München. „Es fühlt sich hier freier an“, sagt Ana. „Internationaler. Offener.“ Die Einflüsse des Viertels sind subtil, aber spürbar. In den Geräuschen, den Blickachsen, dem Nebeneinander unterschiedlichster Sprachen, Traditionen, Speisen und Lebensentwürfen.
Und auch in den Momenten, in denen nichts gestaltet, sondern einfach geholfen wird. Als ihre Hündin Ada eines Tages mitten auf der Straße zusammenbrach, waren es Nachbarn, Händler und Passantinnen aus dem Viertel, die spontan zur Stelle waren. Ein Moment, der zeigt, dass Zusammenleben nicht vom Ort abhängt, sondern vom Miteinander.
RelvãoKellermann bringen Struktur in die Dinge. Aber sie wissen das Ungeplante zu schätzen. Sie nutzen die Offenheit, das Unfertige und die Freiheit des Bahnhofsviertels, um kreativ zu sein und zu arbeiten.
