Ana Relvão & Gerhardt Kellermann

Studio RelvãoKellermann

In einem Hinterhof der Landwehrstraße, dort, wo das Bahnhofsviertel seine typische Mischung aus Hektik und Verborgenen zeigt, arbeiten Ana Relvão und Gerhardt Kellermann an der Reduktion. Ihr Studio RelvãoKellermann steht für Industriedesign, das Klarheit schafft, ohne steril zu wirken. Eine fast ironische, aber sehr stimmige Symbiose mit der Umgebung, die sie seit 2014 ihr kreatives Zuhause nennen.

Wer das Studio betritt, landet in einer Art Zwischenwelt: ruhig, weitläufig, konzentriert. Früher war dieser Ort Empfangsraum und Küche des Architekten Muck Petzet und ein Treffpunkt für die Münchner Designszene. Heute trifft man hier auf Materialproben, Prototypen, eine kleine „Wunderkammer“ und einen Raum, der einzig Büchern gewidmet ist.

 

Das Studio verweigert sich jeder Schublade. RelvãoKellermann gestalten Küchensysteme ebenso wie Elektronik, Büromöbel oder Leuchten und sind dabei immer auf der Suche nach der besten Lösung, nicht der einfachsten. Vom großen Raumgefüge bis zur winzigen Griffkante wird jedes Detail durchdacht, bis es selbstverständlich wirkt.

 

Dass sie ausgerechnet hier arbeiten, ist kein Zufall. Sie schätzen das Unfertige, den Bruch mit dem perfekt polierten München. „Es fühlt sich hier freier an“, sagt Ana. „Internationaler. Offener.“ Die Einflüsse des Viertels sind subtil, aber spürbar. In den Geräuschen, den Blickachsen, dem Nebeneinander unterschiedlichster Sprachen, Traditionen, Speisen und Lebensentwürfen.

Und auch in den Momenten, in denen nichts gestaltet, sondern einfach geholfen wird. Als ihre Hündin Ada eines Tages mitten auf der Straße zusammenbrach, waren es Nachbarn, Händler und Passantinnen aus dem Viertel, die spontan zur Stelle waren. Ein Moment, der zeigt, dass Zusammenleben nicht vom Ort abhängt, sondern vom Miteinander.

 

RelvãoKellermann bringen Struktur in die Dinge. Aber sie wissen das Ungeplante zu schätzen. Sie nutzen die Offenheit, das Unfertige und die Freiheit des Bahnhofsviertels, um kreativ zu sein und zu arbeiten.

Drei Fragen an Ana Relvão & Gerhardt Kellermann
1. Wo machst du im Viertel gerne Pause?
Im Bel Vizio. Ein kleiner Italiener, der im Sommer wunderbar ist, um einfach runterzukommen.
2. Was wünschst du dir fürs Bahnhofsviertel?
Weniger Baustellen und endlich einen fertigen Bahnhof. Aber vor allem, dass das Viertel seinen Charakter behält und nicht „zu sehr“ gestaltet oder bereinigt wird.
3. Ein Satz, den du hier gerne hörst?
Es ist kein spezieller Satz, sondern das einfache, ehrliche „Hallo“ unter Nachbarn. Es zeigt, dass man sich sieht und respektiert, ohne sich aufdrängen zu müssen.